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„Perfekt, weil nicht perfekt“ – ein Interview mit Manfred Hoffmann (Fachverband Deutscher Floristen)

Michael Hoffmann – Foto: FDF

Der Düsseldorfer Floristmeister Manfred Hoffmann ist ein floraler Allrounder. Für den Fachverband Deutscher Floristen (FDF) ist er als Kreativdirektor tätig und arbeitet in verschiedensten Projekten mit: Er entwickelt Designlinien, leitet Produktentwicklungen, ist in die Konzeption und Umsetzung von Messepräsentationen eingebunden, hält Fachvorträge, ist Autor verschiedener Fachpublikationen und hat beratende Funktion in vielen wichtigen verbandlichen Fragen. In seiner Heimatstadt führt Hoffmann außerdem zwei Blumengeschäfte unter dem Namen „A la Casa del Fiore“.

Herr Hoffmann, das Jahr 2019 hat gerade begonnen. Welche Trends erwarten uns in den kommenden Monaten?

Hoffmann: Ein wichtiger Mega-Trend in allen Bereichen ist ja derzeit Grün und Natur. Beides beruhigt die Menschen in unsicheren Zeiten, sie fühlen sich wohl. Viele möchten heute auch wieder Verantwortung für Pflanzen übernehmen, mit ihnen leben und sie pflegen. Das zeigt sich in Themen wie Urban Jungle oder Urban Gardening.

2019 spielen meiner Meinung nach außerdem diese drei Trends eine wichtige Rolle: Wir starten in das Jahr mit sehr weichen, pastelligen Farben. Unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Gemütlichkeit steckt dahinter. Alles soll flauschig, charming und cosy aussehen. Später im Jahr wird es farblich aber sicher wieder etwas „lauter“. Mit kräftigem Gelb, Rot, Orange, Grün und inspiriert vom Miami- oder California-Feeling können sich die Menschen dann die Sonne und den Sommer ins Haus holen. Vor allem beim jungen Publikum sind derzeit auch Blüten und Pflanzen hinter Glas beliebt. Interessant ist hier der Kontrast zwischen dem Künstlichen und dem Natürlichen. Durch irisierende Effekte oder Spiegelungen stellen sich dabei die Pflanzen dem Betrachter oft ganz anders und ungewohnt dar.

Beim Arrangieren von Blumen wird es 2019 vieles geben, was nicht dem klassisch Gelerntem entspricht. – Foto: FDF

Beim Arrangieren von Blumen wird es in diesem Jahr neben dem traditionellen runden Strauß vieles geben, was nicht dem klassisch Gelerntem entspricht. Insgesamt wird die Gestaltung bei Sträußen freier: Die Formen werden luftiger, tütiger und langstieliger. Aspekte wie Zufälligkeit, das Unkomplizierte und Handmade – im laienhaften Sinn – spielen eine wichtige Rolle. „Perfekt, weil nicht perfekt“ ist das Motto.

 

Wie viele andere Ausbildungsbetriebe haben auch Floristen oft Schwierigkeiten geeigneten Nachwuchs zu finden. Was unternimmt der FDF, um den Beruf fĂĽr junge Menschen attraktiv zu machen?

Hoffmann: Der Nachwuchs ist für den Verband eines der wichtigsten Themen überhaupt. Deshalb haben wir das Floralprojekt 3.0 gestartet. Das ist eine Plattform innerhalb des Verbandes speziell für junge Menschen – also die 20-bis 30-Jährigen. Alle Teilnehmer der deutschen Meisterschaft werden beispielsweise dazu eingeladen, sich daran zu beteiligen. Die Landesverbände schlagen außerdem weitere innovative junge Leute vor.

Es geht darum, den Nachwuchs miteinander ins Gespräch zu bringen und herauszufinden, was sie für ihre Zukunft brauchen und was an verbandlicher Arbeit dafür benötigt wird. Wir möchten mit dem Floralprojekt 3.0 die Branche neu ausrichten und gestalten. Das hat auch mit dem Berufsbild zu tun und damit, wie wir uns nach außen darstellen. Derzeit sind wir in einer spannenden Umbruchphase. Im Hinblick darauf haben wir auch schon die Webseite des FDF neu gestaltet und das Seminarprogramm komplett umgekrempelt. Das Team präsentiert sich und seine Arbeiten auch bei verschiedenen Veranstaltungen, beispielsweise der diesjährigen Bundesgartenschau.

Insgesamt wird die Gestaltung bei Sträußen 2019 freier. – Foto: FDF

Ende Februar 2019 findet in den USA die Floristen-Weltmeisterschaft statt. Wie wichtig sind solche Wettbewerbe fĂĽr Ihre Branche?

Hoffmann: Alle Wettbewerbe – ob Landes-, Deutschland-, Europa- oder Weltmeisterschaft – spielen für die Kommunikation der Branche eine wichtige Rolle. Zum einen wird nach außen gezeigt, wie groß und vielfältig unser Arbeitsbereich ist. Zum anderen wird der Branche selbst noch einmal deutlich vor Augen geführt, was sie alles leistet und worauf sie stolz sein kann. Außerdem tut es gut, sich hin und wieder auch mal ein bisschen selber zu feiern. Schließlich geht es hier tatsächlich um einen der ältesten Berufe der Welt.

 

Weitere Informationen: fdf.de und alacasadelfiore.de

 

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