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3 Fragen an: Gudrun Ongania („VEG and the City“)

Anfang 2012 tauschte die Schweizerin Gudrun Ongania das Business-Kostüm gegen die Gartenschürze und machte ihre Passion, das Gemüsegärtnern, zum Beruf.

Die ehemalige Unternehmensberaterin gründete „VEG and the City“, einen Betrieb, der Stadtbewohnern die zu ihrem Lebensstil passende Gemüsegartenlösung und das damit verbundene Wissen bieten will. Gerade ist ihr Buch „An die Töpfe, gärtnern, los! – Praxiswissen und Ideen fürs urbane Gärtnern“ erschienen.

Frau Ongania, immer mehr Menschen ziehen weg vom Land und wollen in der Stadt leben. Und in der Stadt beginnt man jetzt plötzlich damit, Gemüse anzubauen. Ist das nicht ein Widerspruch?
Ongania: Für mich ist das kein Widerspruch. Gemüseanbau in der Stadt hat es schon immer gegeben, nur wurden die Gärten immer weniger und eher an den Stadtrand gedrängt. Familiengärten und klassische Schrebergärten sind nach wie vor populär. Neu ist, dass jetzt eben auch auf Balkonen, Brachen und in Hinterhöfen gegärtnert wird. So viele Vorteile das Stadtleben auch bringt, diese Sehnsucht nach Natur, nach Erde unter den Fingernägeln, nach dem „etwas mit den eigenen Händen schaffen“ ist in uns tief verankert. Und gerade in der heutigen Zeit, in der wir so viel online sind, hat das Selbermachen und mit den eigenen Händen arbeiten wieder einen ganz neuen und wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft gewonnen. Das Gemüseanbauen in der Stadt gehört dazu! Man möchte wieder lernen, wie Obst und Gemüse wächst und einen Bezug zur Nahrungsmittelproduktion haben. Dabei geht es weniger um Selbstversorgung als ums Experimentieren, Erfahren und einfach Freude daran haben.

Im Oktober 2013 haben sie einen Förderpreis von WWF und Migros für die Umsetzung der Erntestationen gewonnen. Was sind die Erntestationen und was ist das Besondere daran?
Ongania: Die Erntestationen sind Gewächshäuser aus Holz und Plexiglas, in denen auf nur 5,7 Quadratmetern Grundfläche bis zu 200 Nutzpflanzen vertikal angebaut werden können. Die Bewässerung läuft per Regenwassersammlung, Solarpumpe und Tröpfchenbewässerung. Als Pflanzmodule nutzen wir das Minigarden System von der Firma Quizcamp, welches wir auch in der Schweiz vertreiben. Das System der stapelbaren Pflanzmodule hat sich sehr bewährt. Das Besondere an der Erntestation ist die Kombination von vertikalem Gemüseanbau mit einem soliden Holzgewächshaus und der fast automatisierten Bewässerung. So kann die Erntestation auch an Orten ohne Wasser und Stromanschluss stehen. Im Moment haben wir fünf Erntestationen in Zürich und Rothrist in Betrieb. Es ist das zweite Testjahr in dem es gilt, das System zu verbessern aber auch einen Holzgewächshausbauer als Partner für die Produktion zu finden. Mit den fünf Erntestationen testen wir auch verschiedene Geschäftsmodelle. Einmal bieten wir Ernteabos an, d.h. der Kunde kann bei uns wöchentlich Gemüse ernten kommen. Dann werden Kräuter für ein Restaurant angebaut und drei Erntestationen liefern derzeit Gemüse und Kräuter für eine Unternehmenskantine.

In ihrem neuen Buch stellen sie u.a. Projekte und Balkone aus Österreich, der Schweiz und Deutschland vor, die sie selbst begeistert und inspiriert haben. Unterscheidet sich das urbane Gärtnern in diesen Ländern? Und wenn ja, wie?
Ongania: Die Projekte und Balkone unterscheiden sich weniger nach Ländern als nach der Stadt oder dem Typ Mensch dahinter. Die direkte Umgebung, der Stadtteil, beeinflusst das Projekt. So hat das Gartendeck in St. Pauli – inmitten von Beton und Vergnügungsmeile – einen viel urbaneren Charakter als z.B. das SeedCity Projekt am Hönggerberg in Zürich, umgeben vom ETH Forschungscampus, Studierenden und auch viel Natur. Bei den Balkonen war ich überrascht, wie die Balkonbesitzer, die Wohnungseinrichtung und die Balkonbepflanzung harmonierten. Es ist hier zumeist weniger das Umgebungssetting als der Mensch selbst, der mit seiner Persönlichkeit und seinem eigenen Stil den urbanen Garten gestaltete – und so auch einen Teil von sich dort widerspiegelt.

Weitere Informationen: vegandthecity.ch

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