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3 Fragen an: Kai Schaede (CasaKaiensis)

Meike Wachholz und Kai Schaede aus Herford stellen Holz- bzw. Gartenhäuser in einer besonderen, märchenhaften und fantasievollen Form her. Ihre Marke CasaKaiensis besteht seit 2010. Für die von Hand gebauten Einzelanfertigungen von CasaKaiensis gibt es keinen Katalog, aus dem man sich etwas heraussuchen kann. Jedes Haus ist ein Unikat und wird zusammen mit dem Auftraggeber individuell geplant und dann gebaut.

Herr Schaede, dass Ihre Gartenhäuser alle schief und krumm zu sein scheinen, gehört zu Ihrem Programm?
Schaede: Sie scheinen nicht nur schief, sie sind es. Allerdings in Maßen! Man darf es nicht übertreiben, denn zwischen Kitsch und Kunst besteht nur eine kleine Schwelle.

Das ungewöhnliche Äußere sieht man natürlich zuerst. Man hat sofort Assoziationen zu Häusern aus vielen verschiedenen Märchen oder Fantasy-Filmen im Kopf. Das war und ist jedoch nicht meine Intention… solche Bilder lenken mich bei der Ideenfindung eher ab und sind keine Inspiration. Die meiste Inspiration finde ich direkt beim Bau vor Ort. Es gibt so viele kleine Details, die erst mit einigen Veränderungen zur Umgebung passen; das sind diese kleinen Dinge, die man während der Planung im Büro nicht sieht, sich nicht einmal vorstellen kann.

Interessant ist auch der Innenraum der Häuser. Durch die schräg emporsteigenden Wände hat man viel mehr nutzbaren Raum als bei geraden Wänden zur Verfügung – ohne dass die eigentliche Grundfläche durch Schränke oder Regale verkleinert wird. Diese werden einfach in die Wand integriert, daher ist der Nutzwert schon enorm. Aber auch hier spinne ich den roten Faden durch viele kleine und ungewöhnliche Details weiter: Knotenbretter, Kehlbalken und Kopfstreben zum Beispiel (das sind diese Dachsparren zusammenhaltenden Querträger) sind eine Melange aus Form und Funktion! Sie sind im normalen Holzbau nur absolut gerade anzutreffen. Bei uns hingegen finden sich kühn geschwungene, sich gegenseitig aufnehmende Formen.

Schönheit und Nützlichkeit sind bei uns keine getrennten Werte, sie sind unmittelbar miteinander verbunden. Und das nicht grundlos… wenn wir die Beziehung wahrnehmen, die zwischen Ästhetik und Gesundheit existiert – wer hat nicht das sonderbare Gefühl, das man hat, wenn man durch die Architektur eines Krankenhauses oder eines Amtsgerichts geht – lässt sich die Trennung von Nützlichkeit und Schönheit nur als kleingeistig und ungesund einstufen.

Wir versuchen einen Platz zu schaffen, der uns wachsen statt welken lässt, an dem man seine Zeit gesund verbringen kann. Ein Platz an dem Ruhe ein willkommener Gast ist, so dass sie ihre gesamte Kraft für all unsere Sinne entfalten kann.

Ist es schwieriger „windschiefe Hütten“ zu bauen als welche mit geraden Wänden?
Schaede: Naja, die Antwort ist doch offensichtlich. Um ein normales Haus zu bauen, reichen zwei Winkel aus: 90 Grad und 45 Grad. Damit kann man sämtliche Bauteile so bearbeiten, dass sie sehr schnell herzustellen sind und später dann, zusammengesetzt, wie ein Haus aussehen. Bei uns ist das etwas anderes: wenn die rechte Wand mit zum Beispiel 7 Grad bis in eine Höhe von, sagen wir mal, 155 Zentimeter aufsteigt, und die linke Wand im Winkel von 12,5 Grad bis in eine Höhe von 197 Zentimeter reicht, der Fußboden von der zweiten Etage jedoch auf exakt 220 Zentimeter liegen soll, wie groß ist der jeweilige Anschlusswinkel der Sparren in Beziehung zum Rähm, wenn die Firstpfette auf 5,80 Meter liegt – diese allerdings etwa 19 Zentimeter nach links, von der Mitte aus, verschoben ist – wobei der Sparren einen (der Einfachheit halber) gleichmäßigen Radius von 12 Meter hat? Und wie groß ist dann die Winkelhalbierende der Sparren oben am First, damit beide dort genau aneinander liegen? Nicht zu schweigen von den Auflagern der zweiten Etage… hohe Wind- sowie Schneelasten muss das Haus auch vertragen können. Und das, ganz im Ernst, ist noch einfach. Schwieriger wird es, wenn das Dach in sich gedreht ist und/oder unterschiedliche Peaks aufweist.

Mit der Zeit geht diese stetige Rechnerei um Umsetzung allerdings in Fleisch und Blut über, sodass es wiederum ganz leicht wird. Man entwickelt eine Art Routine. Wenn Sie mich fragen: es fällt mir leicht. Allgemein gesprochen allerdings wohl eher nicht, es ist eigentlich schwer! Man muss sich ja zusätzlich schon beim Erstellen der Bodenplatte Gedanken über die Position des Firsts machen: jeder Fehler, den man unten macht, addiert sich bis nach oben auf ungeahnte Art! Das ist jedoch nur die technische Seite und lässt sich lösen. Weitaus schwieriger ist es, stimmige Proportionen und diese Ästhetik, die einmalig sein soll, auf diesem schiefen Gerüst herzustellen; also das, was man letztendlich sieht und förmlich spürt. Tatsächlich gibt es in dieser Hinsicht manchmal Situationen, die sich nicht auf herkömmliche Weise lösen lassen. Man muss sich dann etwas einfallen lassen. Aber das sehe ich anders als die meisten Menschen weniger als Problem denn als Möglichkeit.

Wer sind Ihre Kunden und mit welchen Ideen und Wünschen kommen diese zu Ihnen?
Schaede: Die Bauherren, die zumeist Frauen sind und ihre Männer im Schlepptau dabei haben, haben in der Regel zunächst nur die Idee von einem CasaKaiensis in ihrem Garten. Wir schauen uns gemeinsam ihr Grundstück an und währenddessen hört man meist schon genau heraus, welchen Zweck das Haus haben wird. Aufgrund der vielfältigen Eindrücke und Gespräche habe ich meist schnell eine recht konkrete Vorstellung dessen, was irgendwann in diesem Garten stehen wird.

Diese Vorstellung ist allerdings nicht so leicht mit Worten zu vermitteln. In der Folgezeit erstelle ich deshalb einige Zeichnungen, besser gesagt: Ideensammlungen, die auf sehr einfache Weise verdeutlichen, was ich meine. Diese können und sollen auch verändert werden, machmal fließen sogar einige wirklich abgefahrene Ideen der Bauherren ein, z.B. aufklappbare Giebel, damit man den Garten ohne weiteres Hindernis überblicken kann, während man sich im Loft befindet.

An diese Zeichnungen halte ich mich dann allerdings nur sehr vage. Wie gesagt wird während der Erstellungsphase viel mit den Kunden gesprochen und daraufhin auch vieles wieder abgeändert. Ich biete einfach an und setze es um. So entsteht schließlich eine gewisse Magie, ein Zauber um meine Häuser, der mit einer Zeichnung als Maßgabe niemals zu erreichen möglich wäre.

Wenn die Häuser größer werden sollen, gibt es natürlich eine komplette Zeichnung von einem befreundeten Architekten, der genau weiß, wie ich ticke, sowie eine unabhängige Statik und damit einhergehend einige bautechnische Details, die ich unbedingt einhalten muss, damit irgendwelche Aufsichtsbehörden diese abnicken können. Glücklicherweise haben die Behörden allerdings bei der Kür – nämlich dem Teil, bei dem ich einem Haus Leben einhauche – nichts zu suchen. Und zum Glück haben sie in dieser für das spätere Erscheinungsbild immens wichtigen Bauphase auch keine Meinung, denn stellen Sie sich vor: wenn immer nur das genehmigt würde, was man sowieso schon kennt – wie sähe die Welt von CasaKaiensis wohl aus?

Weitere Informationen: casakaiensis.de

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