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„Bienenfreundlich ist das neue Schwarz!“ – Ein Garten für Insekten

Biene und Rose – Foto: BGL
Biene und Rose – Foto: BGL

In den letzten Jahren rückt bei einigen Gartenbesitzern ein Thema in den Mittelpunkt, das in dieser Weise früher kaum eine Rolle gespielt hat: Insekten. In der Vergangenheit wurden die Tiere wohl eher bekämpft, und man war froh, wenn es in der eigenen Grünfläche nicht allzu sehr krabbelte und flatterte. Heute soll ein naturnaher Garten nicht nur dem Besitzer gefallen, auch Käfer, Schmetterling und Co. sollen sich hier wohl fühlen.

Der Grund, warum Insekten plötzlich so von Interesse sind, ist verständlich: Das Artensterben ist ein Thema, das auch Deutschland betrifft. „Ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und weitere Arten sind sogar schon ausgestorben“, fasste BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel die Ergebnisse des ersten Artenschutz-Reportes des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zusammen. So ist etwa die Situation der 600 Wildbienenarten, die in Deutschland leben, beunruhigend. Wie viele weitere Insekten sind sie für unser Ökosystem von großer Bedeutung: Sie bestäuben Obstbäume und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere. Als eine Hauptursache für die Gefährdung der Arten nennt das BfN intensive Formen der Landbewirtschaftung, insbesondere großflächige Monokulturen.

Vielen naturbewussten Hobbygärtnern reicht es deshalb heute längst nicht, nur auf biologische Dünger und Pflanzenschutzmittel zurückzugreifen. Sie wollten in ihrem Garten aktiv etwas für die Biodiversität und auch für die Insekten tun. Daher wählen sie bei der Gartengestaltung vor allem heimische Gehölze und Stauden, in denen die Tiere Nahrung, Lebensraum und Schutz finden. Sogenannte Insektenhotels und andere Nisthilfen werden ebenfalls bereitgestellt.

Auch in den sozialen Netzwerken sind die Insektenfreunde sehr aktiv und es wird intensiv diskutiert, wie ein Garten aussehen muss. Wird ein Foto mit einer schönen gefüllten Rose von einem Gartenbesitzer gepostet, erhält er dafür derzeit nicht unbedingt nur „Likes“. Sofort wird darauf verwiesen, dass diese Blume für die Bienenernährung völlig unbrauchbar sei und er doch lieber Wildrosensorten pflanzen solle. Eine solche Überkorrektheit geht anderen Gartenfreunden dann vielfach zu weit. Auf der Facebook-Seite „Rettet den Vorgarten“ kommentierte beispielsweise ein User die Diskussion, ob man Formgehölze nun verwenden darf oder nicht, etwas entnervt: „Ich weiß, bienenfreundlich ist das neue Schwarz!“

Tatsächlich sind es vor allem die Bienen, für die sich die Deutschen begeistern. Denn nicht nur die Wildbienen haben es in der freien Natur schwer und ihre Anzahl geht seit Jahren ständig zurück, viele Honigbienenvölker kämpfen ebenfalls ums Überleben. Auch ihnen machen neben dem Befall mit Varroamilben vor allem der massive Einsatz von Insektiziden sowie die nahrungsarmen Kulturlandschaften zu schaffen.

Die Bedrohung der Honigbiene und die vielfältige Berichterstattung darüber, hat bei vielen Menschen das Interesse an der Imkerei geweckt. Immer mehr Gartenbesitzer – vor allem auch in den Städten – haben einen eigenen Bienenstock. Allein in Berlin soll es derzeit weit über 600 Stadtimker geben. Und in einem Hamburger Magazin war kürzlich zu lesen: „Das Statussymbol im Garten mag für viele noch der Grill oder die Outdoor-Küche sein, für andere ist das längst der Bienenstock.“ Auch in der Art des Imkerns hat sich dadurch eine Trendwende vollzogen: War die Imkerei in der Vergangenheit häufig auf den Honigertrag ausgerichtet, spricht man heute vom „bienengemäßen Imkern“. Die Bedürfnisse und die Gesundheit des Bienenvolkes stehen jetzt im Mittelpunkt.

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