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Im Garten mit: Alexander Koch (Koch + Koch Gartenarchitekten)

Alexander Koch (Koch+Koch Garten- und Landschaftsarchitekten)
© Alexander Koch

Ein von ihm behutsam umgestalteter Hausgarten aus den 50er-Jahren wurde kürzlich als „Garten des Jahres 2018“ ausgezeichnet. Wir sprachen mit dem Gartenarchitekten Alexander Koch über Grundprinzipien der Gartengestaltung, die Vermittlung von Geborgenheit und tanzende Apfelbäume.

Herr Koch, der „Garten des Jahres 2018“ ist ein von Ihnen umgestalteter Hausgarten aus den 50er-Jahren. Welches gestalterische Konzept steht hinter dieser Gartenanlage?

Gute Gärten wie dieser werden mit gestaffelten Gartenräumen geschaffen, in Bewegung gesetzt durch Kulissenverschiebung während des Durchschreitens. Für dieses Konzept wurde der gesamte Innenraum des Gartens geleert, überalterte und Blickachsen störende Bäume entfernt. Neue Räume entstanden durch große Solitärgehölze und vor allem durch einen Hain aus 27 hochstämmigen Zier-Äpfeln, weißblühend und duftend, den Hang hinauf tanzend.

Garten des Jahres 2018: Umgestalteter Hausgarten aus den 50er-Jahren von Koch+Koch
© Koch+Koch Garten- und Landschaftsarchitekten

Gibt es in der Umgestaltung des Gartens Reminiszenzen an die 50er-Jahre?

Eine 16 Meter hohe graugrüne Scheinzypresse – ein Klassiker der Gartengestaltung der 50er – blieb als Kondensationspunkt für den zu erneuernden Garten stehen. Wege aus Jura sowie ein Salettl (offene Gartenlaube) wurden ebenfalls in die Neugestaltung einbezogen. Schon in den 50er-Jahren wurden gute Gärten von Gartenarchitekten wie Roland Weber mit großen Solitärs gekonnt bepflanzt. Die Arten haben sich geändert. Waren es damals der Essigbaum, die weidenblättrige Felsenmispel oder fruchtende Apfelbäume mit bizarren Stämmen, sind es heute Felsenbirne, Apfel-Dorn, Zier-Apfel und japansicher Ahorn. Mit dem Eindruck des Schon-immer-Dagewesenen, durch große Neupflanzungen erweckt, übersieht der Betrachter, dass hier gerade erst Hand angelegt wurde, dass es nicht mehr die grünen Protagonisten der 50er-Jahre sind.

Garten des Jahres 2018: Umgestalteter Hausgarten aus den 50er-Jahren von Koch+Koch © Koch+Koch Garten- und Landschaftsarchitekten

Worauf legen Sie grundsätzlich bei der Gestaltung eines Gartens wert?

Gute Gärten wachsen über Jahre. Auch bei diesem Projekt konnte wir das erste Konzept im Maßstab 1:1 weiterentwickeln, immer wieder nachjustieren und die Räume nach dem guten Gefühl bauen. Ich male und skizziere zuerst das Bild eines Gartens auf Papier. Zug um Zug werden danach die Details vor Ort verwirklicht. Wichtig ist es, den besten Teil des gesamten Konzepts zuerst entstehen zu lassen, dadurch dem Garten eine neue Stimmung zu geben. Das können außergewöhnliche Vordergrundpflanzen am Haus, an der Terrasse oder wie hier der tanzende Hain aus Apfelbäumen sein.

Garten des Jahres 2018: Umgestalteter Hausgarten aus den 50er-Jahren von Koch+Koch © Koch+Koch Garten- und Landschaftsarchitekten

Haben sich die Ansprüche an die Gestaltung von Gärten und Freiräume in den vergangenen Jahren gewandelt? Und wenn ja, was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ein klares Nein für meine Bauherren und deren Gärten – immer noch geht es vorrangig darum, im Garten ein hohes Maß an Geborgenheit zu entwickeln. Wohlgefühl entsteht durch die Maximierung von Orientierungshilfen. Die Größe des Raums muss begreifbar sein, jede Schattenkante, jeder Vordergrund jede perspektivische Linie unterstützt. Daran hat sich seit den Gärten der Renaissance nur die Wahl der Mittel geändert.

Der eigene Garten in Pähl am Ammersee von Koch+Koch © Koch+Koch Garten- und Landschaftsarchitekten

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell fĂĽr Ihren Berufsstand?

Im Bereich Privatgarten forderte den Landschaftsarchitekten schon vor 30 Jahren der planende Mitbewerber aus dem Garten- und Landschaftsbau. Dort wurde und wird alles aus einer Hand angeboten, meist vordergründig und gegen die Bestimmungen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) kein Honorar für die Planung berechnet. Wir freie Landschaftsarchitekten sind konzentriert auf Ästhetik, sind auch in der Hinsicht Treuhänder des Bauherrn. Treuhänder sind wir dann aber vorrangig in wirtschaftlicher, finanzieller Hinsicht, kontrollieren den Bau, die Abrechnung des Projektes im Sinne des Eigentümers. Also wird es immer wieder die Herausforderung für den Architekten des Gartens sein, zu überzeugen, dass für äußerlich etwas mehr Geld ein Mehr an Gartenqualität und Sicherheit am Bau erworben wird.

Einen Überblick über die Projekte bei „Gärten des Jahres 2018“ bietet die Dokumentation zum Wettbewerb: https://www.callwey.de/buecher/gaerten-des-jahres-2018/

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