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Im Garten mit: Andreas Kipar (LAND Landscape Architecture Nature Development)

Andreas Kipar – Foto: landsrl.com

Dr. Andreas Kipar studierte Landschaftsarchitektur in Essen. Im Jahr 1985 gründete er ein eigenes Planungsbüro in Mailand. In den folgenden Jahren weitete sich die Tätigkeit des Büros mit zahlreichen Projekten in verschiedenen italienischen Regionen aus, sowie in Deutschland, wo die Planungstätigkeit seit 1995 ebenfalls mit einem eigenen Büro durchgeführt wird.

Das Studium der Architektur und des Städtebaus an der Universität Mailand (1989-94) sowie die Gründung des internationalen Landschaftsarchitekturstudios LAND (1990) mit Sitz in Italien, Deutschland und der Schweiz führten zu einer weiteren Ausweitung der planerischen Tätigkeit. Zu den jüngeren Projekten von LAND gehören beispielsweise Porta Nuova, die größte Stadtumbaumaßnahme, die je im Herzen von Mailand durchgeführt wurde, der Vergnügungspark Nagatino in Moskau, bei dem es darum ging, das natürliche Gleichgewicht der bestehenden Grünflächen zu bewahren, der Cassarate River Park in Lugano, bei dem die Ufer des Flusses Cassarate neu gestaltet wurden, oder der Essener Krupp Park „Five Hills“, ein Hügelpark mit See im Herzen der Ruhrmetropole.

 

Herr Kipar, ein zentrales Thema Ihrer Arbeit ist die grüne Infrastruktur in den Städten, also strategisch geplante Netzwerke natürlicher und naturnaher Flächen. Warum ist es so wichtig, dass urbane Grünflächen miteinander vernetzt sind?

Kipar: Wir leben in einer Zeit, in der wir die Städte erneut schleifen. Heute sind es nicht mehr die Verteidigungsanlagen, sondern die Mauern und grauen Infrastrukturen der industriellen Zeit. In der Regel sind unsere deutschen Städte gut mit Grün versorgt. Nun steht ihre Vernetzung an. Dabei spielt der öffentliche Raum als Potentialraum im Alltag eine herausragende Rolle. Ebenerdige Verbindungen, Natur in der Stadt, fußläufige und fahrradfreundliche Verbindungen sind die Grundlage für eine grüne Stadt. Und das nicht nur aus Gründen der reinen Erholung, sondern des Klimaschutzes – beispielsweise Kaltluftschneisen – und der biologischen Vielfalt in Flora und Fauna. Dafür benötigen wir Konzepte, wie z.B. die Mailänder Strahlen, wo jeder der acht grünen Strahlen einem anderen Stadtgebiet entstammt und jeweils das Zentrum mit dem Stadtrand verbindet oder die drei Strahlen in Essen, die den noch industriell geprägten Norden mit dem Naturraum im Süden verbinden. Eine klare Strategie und viele unterschiedliche Bausteine laufen dann zusammen.

 

Welche Rolle können Privatgärten für die grüne Infrastruktur einer Stadt spielen?

Kipar: Sie spielen eine große Rolle. Sind sie doch das Rückgrat, wenn auch nicht immer öffentlich zugänglich, einer naturnahen Ausstattung in unseren Städten. Hinzu kommt noch ihr Vorteil, dass sie sich individuell frei entwickeln und dadurch ihr eigentliches Potential voll entfalten können.

 

Sie leben in Mailand, sind aber beruflich ständig in verschiedenen Ländern Europas unterwegs. Haben Sie zuhause überhaupt einen eigenen Garten? Und wenn ja, wie sieht er aus und wie nutzen Sie ihn?

Kipar: Ja, ich lebe in vielen unterschiedlichen Landschaften und in einigen besonders schönen Gärten. Zuhause in Mailand ist es die Stadtwohnung, die sich durch eine großzügige Terrasse ergänzt. Der sogenannte „Giardino dei tubi“ setzt sich aus recycelten Abflussrohren unterschiedlicher Höhe und Durchmesser zusammen – über 100 bepflanzte Elemente. Wie Orgelpfeifen stehen sie da und haben sich in den Jahren mit vielen Mitbringseln meiner Reisen begrünt. Heute ist es ein gemütlicher Ort inmitten des bekannten Mailänder Lärms. Eine Art Oase. Nicht nur für uns als Familie, sondern mittlerweile auch für nistende Vögel, die hervorragenden Schutz in der dichten städtischen Vegetation finden.

 

Weitere Informationen: landsrl.com

 

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