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Im Garten mit: August Forster (BGL-Präsident)

In unserer neuen Reihe „Im Garten mit…“ sprechen wir regelmäßig mit Persönlichkeiten aus der Gartenbranche – über aktuelle Themen, spannende Entwicklungen und ihre persönlichen Lieblingsgärten. Unser erstes Gespräch im Grünen führten wir mit BGL-Präsident August Forster.

BGL-Präsident August Forster – Foto: BGL
BGL-Präsident August Forster – Foto: BGL

August Forster ist Landschaftsgärtner und Inhaber des Landschaftsbauunternehmens Forster Garten- und Landschaftsbau GmbH in Bonn. Seit 2011 ist er Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. Seine Philosophie ist es, private Gärten und gewerbliches Grün ganzheitlich zu planen und zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Liebe zur Natur und Umwelt. Technisches Know-how, handwerkliches Können und vor allem Pflanzenkenntnis sind ihm wichtig.

Herr Forster, Sie beschäftigen sich beruflich das ganze Jahr mit Gärten. Wie sieht Ihr eigener Traumgarten aus?

Forster: Unseren Gartentraum leben meine Frau – sie ist auch Landschaftsgärtnerin – und ich in unserem Landschaftspark „Am Blauen See“ aus. Auf dem Gelände im Siebengebirge war früher ein Basaltsteinbruch. In den 1960er Jahren hat der Landschaftsarchitekt Heinrich Raderschall es erworben und begonnen, dort einen Park nach dem Vorbild eines klassischen Englischen Landschaftsgartens anzulegen. 3,5 Hektar ist das Parkgelände groß und eine Oase für die Sinne: Hier kann man Natur sehen, hören, riechen, fühlen und sogar schmecken – der Mensch wird Teil der Landschaft. Statt der starren Formen gibt es geschwungene Wege, weite Rasenflächen, frei gewachsene Baumgruppen. Zentraler Punkt ist – wie der Name des Parks vermuten lässt – eine wundervolle Wasserfläche. Seit 2003 öffnen wir dieses Stück Gartenkultur auch interessierten Besuchern. Dazu bieten wir außerdem in regelmäßigen Abständen ein abwechslungsreiches Kulturprogramm an. Falls Sie den „Blauen See“ noch nicht kennen, kommen Sie vorbei und lassen sich überraschen. Besonders jetzt im Frühling ist der Park wie verzaubert: Wenn Tausende von Blumenzwiebeln in leuchtenden Farben aufblühen noch bevor die ersten Bäume ihre Blätter zeigen, ist die Natur schon wieder höchst lebendig.

Der BGL hat Anfang des Jahres eine Initiative gestartet mit dem Titel „Rettet den Vorgarten“. Was hat es damit auf sich, warum muss der Vorgarten gerettet werden?

Forster: Sowohl vor privaten als auch öffentlichen Gebäuden entdeckt man in letzter Zeit immer öfter eine Gartenform, die sich dadurch auszeichnet, dass sie das ganze Jahr über gleich aussieht. Statt Vegetation und abwechslungsreicher Gestaltung gibt es hier vor allem Steine – als Kies- oder Schotterbelag. Insbesondere in Neubaugebieten breitet sich die Versteinerung vor den Häusern immer mehr aus. Das ist schade, denn ein begrünter Vorgarten lässt ein Haus nicht nur einladend aussehen, in Zeiten des Klimawandels hat er noch weitaus mehr Aufgaben: Er ist Teil des Grünraums in Städten und wichtige Versickerungsfläche für Regenwasser. An heißen Tagen ist die Verdunstung auf den vielen kleinen Gartenflächen entscheidend für das Wohlbefinden im direkten Lebensumfeld der Menschen. Unsere Initiative soll mittelfristig dazu führen, dass Hausbesitzer den Wert der Fläche vor dem Gebäude für sie selbst, aber auch für die Nachbarschaft, das Stadtbild und schließlich die Atmosphäre im direkten Lebensumfeld wieder schätzen und mit lebendigen Pflanzen gestalten wollen. Wichtig ist unserem Verband auch die Wirkung der Initiative innerhalb des Berufsstands. Die Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus sollen in Zukunft Kundenwünschen nach Kies- und Schottergärten mit guten Gründen entgegentreten können.

Landschaftspark „Am Blauen See“ – Foto: Peter Menke
Landschaftspark „Am Blauen See“ – Foto: Peter Menke

Wie wird sich der Privatgarten Ihrer Meinung nach in Zukunft verändern?

Forster: Der eigene Garten bleibt ein Sehnsuchtsort, um die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen und in schöner Umgebung zu entspannen. Die Menschen erwarten vom Garten viel, auch wenn sie immer weniger eigene Erfahrung und Wissen zu Pflanzen haben. Die Nachfrage nach von Experten gestalteten Gärten wächst deshalb. Ein häufig geäußerter Wunsch ist dabei der nach einem „fertigen Garten“ von Anfang an: Die Hecke soll beispielsweise möglichst gleich im ersten Jahr dicht sein und Obstbäume sofort Früchte tragen.

Auch Outdoor Living ist ein wichtiges Thema. Viele Gärten werden bereits heute ebenso aufwändig gestaltet wie die Innenarchitektur eines Hauses. Ob Gartensauna mit Draußen-Dusche, Outdoor-Kitchen, besondere Lichtinstallationen oder Kunstobjekte – viele Menschen möchten die Annehmlichkeiten, die sie in der Wohnung haben, auch im Garten nicht missen. Und auch die fortschreitende Digitalisierung unseres Alltags hat längst den Garten erreicht. Mähroboter übernehmen autonom den Rasenschnitt, eine automatische Bewässerung versorgt die Pflanzen optimal und spart dabei auch noch Wasser. Viele Gartenarbeiten, die sich regelmäßig wiederholen, werden inzwischen automatisiert. Aber bei aller Technik: Das wesentlichste Element, das Gärten erst zu Gärten macht, sind und bleiben Pflanzen.

Weitere Informationen: mein-traumgarten.de und am-blauen-see.de

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