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Im Garten mit: Folko Kullmann (Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.)

Folko Kullmann – Foto: Kristijan Matic

Seit 2016 ist Folko Kullmann Präsident der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. (GdS), die mit fast 5.500 Mitgliedern zu den größten Pflanzenliebhabergesellschaften Europas gehört.

Pflanzen haben Kullmann seit seiner Kindheit fasziniert und so war es keine Überraschung, dass aus seinem Hobby Beruf und auch Berufung wurden: Er studierte Gartenbauwissenschaften in Weihenstephan, arbeitete in Bad Zwischenahn bei Bruns Pflanzen – Europas größter Baumschule – sowie in London im Botanischen Garten Kew und forschte am Lehrstuhl für Gemüsebau der TU München. Nach einem Volontariat bei einem Stuttgart Ratgeberverlag schreibt, übersetzt und entwickelt der Diplom-Ingenieur für Gartenbau heute erfolgreich Gartenbücher. Außerdem ist verantwortlicher Redakteur des „Staudengartens“, dem Mitgliedermagazin der GdS.

 

Herr Kullmann, was ist das Faszinierende an Stauden? Warum sind so viele Menschen in der GdS engagiert?

Kullmann: Stauden sind einfach die vielseitigsten und vielfältigsten Gartenpflanzen, die man sich wünschen kann. Es gibt sie in einer unglaublichen Fülle, in allen Farben und Formen, Größen und Wuchsformen. Stauden wachsen in allen Bereichen im Garten, im Schatten, in der Sonne, auf Garagendächern oder am und im Gartenteich. Gekonnt kombiniert bekommt man mit Stauden einen wirklich fast-immer-blühenden Garten. Welche andere Pflanzenart oder Gruppe kann da mithalten?

Ein anderer Aspekt sind die vielen Veranstaltungen, Vorträge, Pflanzenbörsen, Gartenbesuche und Reisen, die die Mitglieder der GdS in den Regional- und Fachgruppen organisieren – pro Jahr über 500, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den angrenzenden Ländern. Im Mitgliedsbeitrag ist auch der Bezug der viermal im Jahr erscheinenden Zeitschrift „Der Staudengarten“ enthalten und unsere Mitglieder können an der jährlichen Samentauschaktion teilnehmen. Dieses Frühjahr wurden über 30.000 Samentüten von mehr als 2.600 Arten- und Sorten an die Mitglieder verschickt.

Staudenliebhaber sind meiner Erfahrung nach offen für viele andere Gartenthemen, interessieren sich für alle Gartenpflanzen, nicht nur für eine Gruppe. Das Interesse an Pflanzen, am Gärtnern und der Umwelt verbindet, das kann man in der GdS jeden Tag erleben.

 

Ihr 2015 erschienenes Buch „Gärtnern mit dem Hochbeet“ hat sich zum absoluten Bestseller entwickelt. Warum liegen Hochbeete derzeit so im Trend?

Kullmann: Es klingt platt, aber Hochbeete sind einfach genial. Man muss sich nicht mehr bücken, das Umgraben erspart man sich, Schnecken und Unkraut lassen sich einfacher in Schach halten und man hat sein Gemüse immer im Blick – Gärtnern auf Augenhöhe sozusagen. Außerdem kann man Gemüse und Kräuter anbauen, wenn der Boden im Garten nicht so wirklich optimal ist – so wie in meinem Garten mit betonhartem Knollenmergel. Da kommt man nicht mal mit der Grabegabel mehr als zehn Zentimeter tief, geschweige denn mit dem Spaten. Mit einem Hochbeet können Sie auch Gemüse und Kräuter in einem Innenhof oder in einer Einfahrt in der Stadt anbauen, wo der Boden gepflastert, asphaltiert oder verdichtet ist. Und außerdem: Hochbeete können ziemlich schick aussehen und eignen sich zur Gliederung oder Strukturierung des Gartens oder zum Abfangen von Hängen.

 

Wie sieht Ihr eigener Garten aus und wie nutzen Sie ihn? Ist er eher ein Entspannungsort oder ein Experimentierfeld, auf dem Sie die Gartenprojekte und -trends, über die Sie schreiben, ausprobieren?

Kullmann: Unser Garten muss mittlerweile für vieles herhalten. Ursprünglich war er nur als Experimentierfeld und für Fotoproduktionen geplant, doch wie das so ist, ändert sich die Nutzung laufend. Die vielen Objekte, die bei den Bauprojekten anfallen, wollen ja auch sinnvoll in eine Gestaltung integriert werden oder werden immer wieder umgebaut. Ein Entspannungsort ist der Garten natürlich auch immer – wobei ich bei Gartenentspannung nicht an den Liegestuhl oder eine Hängematte denke, sondern an das laufende Zuppeln, Jäten, Pflanzen, Schneiden und Beobachten. Eben das, was andere als „Arbeit“ bezeichnen, das sorgt bei mir für Entspannung von der Schreibtischarbeit. Und dann dient der Garten ja nicht nur mir als Rückzugsort, sondern ist Lebensraum und Refugium für zahllose Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen, Libellen und Käfer, Vögel, Igel, Spitzmäuse und ab und zu haben wir auch Fuchsbesuch. Im Teich tummeln sich Frösche und Molche und ich hoffe, dass sich nächstes Jahr in den Trockenmauern Eidechsen einfinden werden. Die wilden Staudenwiesen aus einheimischen und exotischen sorgen für den passenden Rahmen und Nahrung. Nur eines werden Sie in meinem Garten nicht finden: eine manikürte Rasenfläche – deren Unterhalt ist mir zu zeitaufwändig. Der bunte Blumen- und Kräuterrasen bietet da mehr Spannung.

 

Weitere Informationen: gds-staudenfreunde.de und kullmann-partner.de

 

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