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Im Garten mit: Maik Böhmer (Planorama Landschaftsarchitektur)

Maik Böhmer – Foto: planorama.eu

2017 wurde zum 13. Mal der Deutsche Landschaftsarchitekturpreis verliehen. Den ersten Platz belegte der Rheinboulevard Köln-Deutz, dessen Entwurf von Maik Böhmers Büro Planorama Landschaftsarchitektur stammt. In der Jury-Begründung heißt es: „Diese Inszenierung des Flussraums in Verbindung mit einer hohen Aufenthaltsqualität ließ den Rheinboulevard schnell zu einem Publikumsmagneten werden.“ Auch beim polis award 2017 für urban development konnte das Projekt punkten und wurde in der Kategorie „Lebenswerter Freiraum“ ausgezeichnet. Der Preis wird in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur und dem Deutschen Städtetag vergeben.

 

Herr Böhmer, herzlichen Glückwunsch noch einmal zu den Auszeichnungen. Wie schafft man es, dass ein neu gestalteter öffentlicher Freiraum lebenswert ist, Aufenthaltsqualität hat und von den Menschen angenommen wird? Ist so etwas zu 100 Prozent planbar oder gehört auch etwa Glück dazu?

Böhmer: Ich finde es wichtig, authentisch zu bleiben und aufzuspüren, was einen Ort ausmacht. Dies dann in eine zurückhaltende Gestaltung zu übersetzen, die sich mit dem Ort verbindet und gleichzeitig spannungsvolle Brüche aufzeigt, führt für mich zu einem Freiraum, den Menschen subjektiv verstehen können und in dem ihre Sinneswahrnehmungen angesprochen werden. Bei der Umsetzung braucht es aber auch Glück, damit alle Akteure so zusammenspielen, dass am Ende auch ein derart hochwertiges Ergebnis herauskommet. Vieles muss zusammenpassen, was nicht in jedem Bauvorhaben gleichermaßen der Fall ist.

Rheinboulevard – Foto: Hanns Joosten

 

In Deutschland gibt es derzeit viele Städte, deren Einwohnerzahlen rückläufig sind und die schrumpfen, während Ballungszentren immer mehr Menschen anziehen und hier daher eine Renaissance der kompakten Stadt und der damit verbundenen Verdichtung von Lebensräumen propagiert wird. Wie begegnen Sie diesen unterschiedlichen Herausforderungen in Ihrer Arbeit?

Böhmer: Unser Hauptarbeitsfeld ist die Stadt, in der wir versuchen, dem zunehmenden Druck auf Freiräume durch gute Entwürfe zu begegnen und den Menschen Erholung und Freiraum im dichten Stadtgefüge zu ermöglichen. Natürlich kann Gestaltung aber nicht allein sämtliche Herausforderungen lösen. Wichtig sind Maßnahmen in der Vorstufe zur Gestaltung. Die Sicherung von zusammenhängenden Freiflächen und die gute Verteilung im urbanen Stadtraum ist eine wichtige Voraussetzung. Sonst kann es schnell zu einer Übernutzung kommen, die durch Gestaltung nicht zu kompensieren ist. Eine gewisse Dichte wiederum kann auch zur Qualität eines Freiraums beitragen. Wichtig ist die Beachtung der Maßstäblichkeit und auch hier authentisch dem jeweiligen Ort gegenüber zu bleiben.

 

Beruflich beschäftigen Sie sich ja hauptsächlich mit öffentlichen Grünflächen und Freiräumen wie Parkanlagen, Gartenschauen und Plätzen. Wie haben Sie Ihren ganz privaten Freiraum – also Ihren Garten – gestaltet und wie nutzen Sie ihn hauptsächlich?

Böhmer: Mein privater Garten ist mein Rückzugsort – ein Ort zum Energie tanken, Experimentieren und Beobachten. Gartenarbeit ist eine wundervoll befriedigende, körperliche Tätigkeit als Ausgleich zur geistigen Arbeit. Im Vergleich zu öffentlichen Bauvorhaben kommt man auch meist schneller zu Ergebnissen und darf dies ganz alleine nur mit sich ausmachen. Meine privaten Gestaltungsvorstellungen folgen mehr der Auffassung, dass die Natur schon etwas ziemlich Vollkommenes ist und gar nicht so viel braucht, was man hinzufügen muss. Es gilt, die Dinge, die schon da sind, in Szene zu setzen.

 

Weitere Informationen: planorama.eu

 

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