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Im Garten mit: Torsten Matschiess (Buchautor und Gartenplaner)

Torsten Matschiess – Foto: matschiess.de

Seit 2004 leben Torsten Matschiess und seine Partnerin in Brüggen am Niederrhein, wo die beiden über die Jahre hinweg 8.200 Quadratmeter Land in einen ganz besonderen Ort verwandelt haben, der mittlerweile ein Treffpunkt der Gartenszene ist: der Garten Alst.

Früher war Matschiess Partner in einer Düsseldorfer Internetagentur. Heute gestaltet der bekennende Autodidakt in Gartendingen Pflanzungen, plant Gärten, hält Vorträge zum Thema und schreibt Bücher. Sein aktuelles Werk „AvantGardening. Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern“ – welches er auch auf der diesjährigen spoga+gafa vorstellte – gewann beim Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie „Bestes Garten- und Pflanzenportrait“ den zweiten Platz.

Garten Alst am Niederrhein – Foto: matschiess.de

Herr Matschiess, Busladungen an Gartenbesuchern pilgerten zu Ihnen an den Niederrhein, Ihre Vorträge sind immer gut besucht und das Buch „AvantGardening“ wird hochgelobt. Was ist das Besondere, das Gegenwärtige an Ihrer Art des Gärtnerns?

Matschiess: Mit dem Buch „AvantGardening“ wende ich mich konkret an Garteneinsteiger. Meine Frage war: Was hätte ich selber gerne gewusst, als ich mit dem Gärtnern anfing? Es gibt sehr viele Sichtweisen auf „den“ Garten. Einige sind fest tradiert, fast wie Scheuklappen, andere scheinen in Vergessenheit geraten zu sein. Manche Personen würden in unserem Privatgarten gar keinen Garten als solchen erkennen. Unser Garten war einmal ein Maisacker, umgeben von Feldern, Windkrafträdern, einer Obstwiese und ein paar Häusern mit Solardächern. Wenn man es zu zweit auf gut 8.200 Quadratmeter gemütlich haben will, braucht es schon optimale Pflanz- und Pflegekonzepte. Und eine gewisse Gelassenheit gegenüber Giersch, Ackerschachtelhalm und – was mir selber sehr schwer fällt – auch gegenüber der Zaunwinde.

Heute wird von Auszubildenden im Garten- und Landschaftsbau berichtet, die ihre mangelhaften Pflanzenkenntnisse mit den Bedürfnissen der Kunden rechtfertigen und sich nicht einmal dafür schämen. Die wollen dann nur noch Bob-Cat fahren, pflastern und Schotter verlegen – horizontal, wie vertikal als Sichtschutz! Wollen wir nun warten, bis die alle verrentet wurden? Im Zweifel verzichte ich sogar auf all diese Gewerke und gestalte einen Garten fast ausschließlich mit Pflanzen, fast wie ein Florist. Übrigens geben die meisten Kiesgarten-Besitzer ja durchaus zu, dass ihnen bepflanzte Vorgärten besser gefallen. Sie haben halt nur Angst, dass sie die viele Arbeit nicht mehr schaffen.

Garten Alst am Niederrhein – Foto: matschiess.de

Sie plädieren für eine Gartengestaltung möglichst frei von Konventionen und Moden, empfehlen, sich für die Anlage eines Gartens ein paar Jahre Zeit zu nehmen, sind gegen das zwanghafte Aufräumen im Grünen und Dekorationen oder Kunst im Garten sind auch nicht unbedingt Ihr Ding. Inwieweit müssen Sie Kompromisse eingehen, wenn Sie für Ihre Kunden Pflanzungen oder Gärtenanlagen planen?

Matschiess: Ich muss keine Kompromisse eingehen. Wenn ich feststelle, dass sich die Bedürfnisse von Kunden außerhalb meiner Kompetenz bewegen, ich diese zum Beispiel nicht in einem stimmigen Gesamtkonzept sehe, empfehle ich Kollegen, die diese Kompetenz besitzen. Ich sehe einen Garten eher langfristig. Deswegen kann man ruhig mal kurzlebige Pflanzen einbringen, um sich dann Gedanken zu machen, wo die langlebigen Stauden oder Gehölze platziert werden. So arbeitet die Natur ja auch. Dann plädiere ich nicht für einen bestimmten Stil. Das würde mich a) langweilen und würde b) jeden Respekt vor meinen Kunden vermissen lassen. Die haben selber Stil und Geschmack. Ich helfe ihnen nur dabei, ihren eigenen Stil mit lebendigen, sich kontinuierlich entwickelnden Pflanzen zum Ausdruck zu bringen. Dabei lasse ich sie nicht im Unklaren darüber, wie aufwendig „ihr Stil“ in der Pflege und dem Unterhalt wird. Wer gerne oft im Garten arbeitet, mag es vielleicht etwas „englischer“ und will jedes Jahr Dahlien ein- und wieder ausbuddeln. Einige wollen nur mit dem Mäher eine Blumenwiese pflegen, während andere den verwilderten Garten lieben, selbst wenn er nur wild aussieht. Darin sehe ich übrigens die höchste Gartenkunst: einen Garten so natürlich und selbstverständlich wirken zu lassen, dass man ihm weder die Planung noch die Pflege ansieht. Mit Kunst im Garten habe ich kein Problem, solange auch die Kunst des Gartens und des Gärtnerns als solche gewürdigt wird. Denn es handelt sich um solche, die den Respekt und den Schutz der Gesellschaft verdient.

Garten Alst am Niederrhein – Foto: matschiess.de

Wie nutzen Sie in Ihrer Freizeit den Garten? Geht es bei Ihnen immer nur ums Planen, Pflanzen, Gärtnern – oder nehmen Sie draußen auch schon mal ein Sonnenbad und werfen zum Feierabend den Grill an?

Matschiess: Ich möchte hierauf mit einem Zitat von John Schoolmesters, dem Chefgärtner vom Kasteel Geldrop, einem tollen Park bei Eindhoven, antworten, der auf jede Frage nach Arbeit und ihrer Intensivität mit einem entspannten und sehr glaubwürdigen Lächeln versichert: „Das ist keine Arbeit!“ – Ich selber empfinde das Grillen oder Sonnenbaden als viel größere Anstrengung. Wenn ich entspannen möchte, gehe ich durch den Garten und pflücke hier und da mal eine Brennnessel. Dazu höre ich einen guten Podcast oder Gezwitscher.

Garten Alst am Niederrhein – Foto: matschiess.de

Weitere Informationen: matschiess.de

 

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