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Meine kleine Farm oder Chicken in the City

Hühnerhaltung im eigenen Garten – ein neuer Trend? – Foto: Moers

Freilaufende Hühner kennen die meisten Deutschen heute nur noch vom Urlaub auf dem Öko-Bauernhof oder dem Besuch im Streichel-Zoo. Das könnte sich bald ändern, denn das Federvieh wird als Haustier immer beliebter – auch in der Stadt. Zumindest zeichnet sich dieser Trend ab, wenn man sich die aktuellen Veröffentlichungen der Gartenbücher anschaut.

Bis in die 1970er Jahre hinein waren Nutzgärten in den ländlichen Bereichen in Deutschland keine Seltenheit. Hier wurde Obst und Gemüse selber gezogen und Kleinvieh wie Hühner oder Kaninchen gehalten. Mit zunehmendem Wohlstand verschwanden diese Gärten jedoch mehr und mehr. Gemüse, Früchte und Eier wurden in den Supermärkten preiswert angeboten und waren ohne Schwierigkeiten jederzeit in großer Vielfalt erhältlich, so dass sich kaum noch jemand die Arbeit im Garten machen wollte. Heute scheint sich das wieder zu ändern: Immer mehr Zeitgenossen haben in den letzten Jahren entdeckt, dass es auch Spaß machen kann, einen Teil seiner Nahrungsmittel selbst anzubauen. Für sie ist es ein besonderes Erfolgs- und Geschmackserlebnis, die eigene Ernte ganz frisch zu verspeisen. Darüber hinaus ist es auch für Kinder sehr interessant zu erfahren, woher Erdbeeren, Zucchini und Co. eigentlich kommen oder das Wachstum der Pflanzen zu beobachten. Nachdem viele Gartenbesitzer wieder Gefallen am Anbau von Obst und Gemüse gefunden haben, ist auch das Halten von Haustieren im Garten oder Schrebergarten für einige eine interessante Vorstellung.

Zumindest im Gartenbuchmarkt sind Hühner bereits heute eine feste Größe. Wer die Anschaffung einer Hühnerschar plant, findet in unzähligen neuen Ratgebern umfassende Informationen: von Ernährung und Gesundheit der Tiere über Nachzucht und Schlachtung bis zu rechtlichen Vorschriften. Darüber hinaus gibt es Tipps zur Auswahl der richtigen Rassen und Bauanleitungen für Ställe und Freiläufe. Allein der Ulmer Verlag hat in seinem aktuellen Katalog für den Herbst 2017 acht Titel zum Thema.

„Freilaufende Hühner und ein schöner Garten sind kombinierbar“, meint Joseph Barber, Autor des Bestseller „Das Huhn“. Die amerikanische Originalausgabe ist bereits 85.000-mal verkauft – und im Frühjahr ist das Werk im Haupt Verlag auch auf Deutsch erschienen. Von der preisgekrönten Gartengestalterin Jessi Bloom wurde ebenfalls ein Buch mit dem Titel „Mein Garten für freilaufende Hühner“ herausgebracht. Die zertifizierte Gartenarchitektin und Arboristin ist Inhaberin von „N.W. Bloom – EcoLogical Landscapes“ mit Sitz im Mill Creek, Washington, und gilt als Wegbereiterin nachhaltiger Gartenplanung. Sie beschreibt in ihrem Werk ausführlich, wie man einen schönen und gleichzeitig hühnerfreundlichen Garten gestalten kann.

Wie weit sich dieser neue Trend durchsetzt und wie viele Gartenbesitzer sich in den kommenden Jahren tatsächlich Hühner zulegen werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist das Thema auch eher ein medialer Hype und gibt nur Aufschluss über die Sehnsüchte der Menschen – vergleichbar mit den unzähligen Land-Zeitschriften, die in Deutschland so erfolgreich sind …Mit ihnen „entfliehen“ sie in eine Traumwelt vom Land, die es so gar nicht mehr gibt, und werden dabei genauestens darüber informiert, wie man Marmelade kocht, Wolle filzt oder alte Obstsorten anpflanzt … Möglicherweise werden die Bücher die über Hühnerhaltung im eigenen Garten aus dem gleichen Grund gelesen?

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