Buchneuheit: DachbegrĂŒnung – fĂŒr Fachleute und Laien

Walter Kolb ist Landschaftsarchitekt und gehört zu den Pionieren der DachbegrĂŒnung in Deutschland. Ab dem Jahr 1980 fĂŒhrte er als Leiter der Abteilung Landespflege an der Bayerischen Landesanstalt fĂŒr Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim zusammen mit seinen Mitarbeitern erste Versuche durch. Damals wurde der DachbegrĂŒnung im Garten- und Landschaftsbau noch eine geringe Wertigkeit zugeordnet und nur wenige Planer und AusfĂŒhrungsfirmen befassten sich mit diesem Arbeitsfeld. Spezielle Empfehlungen, Richtlinien oder Normen existierten nicht.

PARKOMANIE in Bonn – Die Gartenlandschaften des FĂŒrsten PĂŒckler

Ein genialer GartenkĂŒnstler wird wiederentdeckt: Hermann FĂŒrst von PĂŒckler-Muskau (1785-1871), eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsparks in Bad Muskau/Ɓęknica (UNESCO Weltkulturerbe), Babelsberg und Branitz zĂ€hlen zu den Höhepunkten europĂ€ischer Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert. Diesen drei bedeutendsten Gartenanlagen des FĂŒrsten und den damit verbundenen innovativen Ideen widmet die Bundeskunsthalle Bonn vom 14. Mai bis 18. September 2016 die Ausstellung „PARKOMANIE. Die Gartenlandschaften des FĂŒrsten PĂŒckler“.

PĂŒckler begriff den Garten, wie er es selbst formulierte, als eine „begehbare Bildergalerie“, in der alle paar Schritte eine zum Kunstwerk idealisierte Natur immer wieder Überraschendes bot. Nach dieser Überzeugung gestaltete er ganze LandschaftsrĂ€ume in höchster Perfektion neu – mit ausgeklĂŒgelten Wasser- und Wegesystemen, mit Blickachsen und Aussichtspunkten. Er leitete FlĂŒsse um, ließ BĂ€ume mit eigens entwickelten Maschinen versetzen, schĂŒttete HĂŒgel auf oder setzte lebende Personen als Dekoration in seine GĂ€rten. Ideell und praktisch wurde er unterstĂŒtzt von seiner Ehefrau Lucie. Beide teilten die Leidenschaft fĂŒr die Gartenkunst, die sie teilweise bis an den Rand des finanziellen Ruins trieb.

Gartenkunst

Ausgedehnte Reisen, u.a. nach England und in den Orient, dienten dem gartenbegeisterten PĂŒckler nicht nur als Inspiration fĂŒr seine eigene Lebensinszenierung, sondern machten ihn auch zum Mittler zwischen den Kulturen. Er brachte Ideen und Pflanzen mit und prĂ€gte durch seine ReiseerzĂ€hlungen auch das deutsche Orientbild. Die korrespondierende Ausstellung versammelt rund 250 Exponate aus ca. 30 namhaften Museen und Stiftungen, darunter die Stiftung Preußische Schlösser und GĂ€rten Berlin-Brandenburg, die Stiftung FĂŒrst-PĂŒckler-Museum Park und Schloss Branitz, die Stiftung „FĂŒrst-PĂŒckler-Park Bad Muskau“ und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu sehen sind bedeutende Zeugnisse der PĂŒcklerschen Gartenkunst, etwa OriginalplĂ€ne seiner GĂ€rten, historische Fotografien und Veduten sowie Exponate aus dem bewegten Leben des FĂŒrsten. Zudem thematisiert die Schau in Bonn die Auseinandersetzung PĂŒcklers mit seinem Rivalen, dem GartenkĂŒnstler Peter Joseph LennĂ©.

TemporÀres Gartenreich auf dem Dach

Als Höhepunkt im doppelten Sinn und als Hommage an den FĂŒrsten wird in diesen Tagen auf dem Dach der Bundeskunsthalle ein begehbares Gartenreich angelegt. Mit der Realisierung wurde das Bonner Landschaftsbauunternehmen Forster-Garten betraut. August Forster, Inhaber und auch PrĂ€sident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. freut sich vor allem darĂŒber, dass dieser Garten auf dem Dach eines Museums entsteht: „Dadurch erfĂ€hrt die Gartenkultur in der Wahrnehmung der BĂŒrger und Kunstfreunde eine ganz besondere Bedeutung und WertschĂ€tzung. Einen Garten auf einem solchen Dach zu gestalten, ist allerdings auch eine nicht alltĂ€gliche Herausforderung, sowohl logistisch wie organisatorisch. Eine Aufgabe, die unser Team begeistert und sportlich gelöst hat.“

In dem nach den PĂŒcklerschen Gestaltungsprinzipien inszenierten Areal erwartet die Besucher ab Mitte Mai ein besonderes Gartenerlebnis – sie können inmitten von kunstvoll angelegten Baumgruppen, darunter Blutbuchen, Eichen, Espen und Robinien flanieren und sich in der ersten BlĂŒhperiode an einem Blumenmeer aus 42.000 FrĂŒhblĂŒhern, wie verschiedene Tulpensorten und Narzissen erfreuen. FĂŒr das temporĂ€re Gartenreich wird ebenfalls ein Wasserbassin nach den Vorbildern des FĂŒrsten geformt und typische wie originelle Elemente aus den Parks integriert. Eine Nachbildung des Muskauer Rosary im „Pleasureground“, einem gartenkĂŒnstlerisch besonders fein gestalteten Gartenabschnitt im Übergang zwischen Haus und Park, wird ebenso zu finden sein wie eine Rosenlaube mit der BĂŒste der weltberĂŒhmten Sopranistin Henriette Sontag oder die von glasierten Ziegeln umrandeten „Törtchenbeete“, die die PĂŒcklerschen GĂ€rten schmĂŒcken.

Weitere Informationen: www.bundeskunsthalle.de

GrĂŒne Skulptur: Das niederlĂ€ndische Biesbosch Museum

Das Biesbosch Museum ist ein Besucherzentrum fĂŒr den gleichnamigen Nationalpark in den Niederlanden. Wie eine grĂŒne Skulptur hat das Studio Marco Vermeulen das Museum neu gestaltet und erweitert – als fließender Übergang zwischen Architektur und Landschaft.

Beim Umbau und der Erweiterung des auf einer kĂŒnstlichen Insel gelegenen Museums lag der besondere Fokus auf einer  nachhaltigen Planung. Sowohl der neue FlĂŒgel als auch der bereits existierende Teil sollten nach aktuellen ökologischen Gesichtspunkten gestaltet werden. Ein Biomasse-Ofen fĂŒr die Heizung und Klimatisierung des GebĂ€udes optimiert den Energieverbrauch. Ebenfalls natĂŒrlich ist die Aufbereitung des Trinkwassers ĂŒber einen Weidenfilter – der erste dieser Art in den Niederlanden. Das gesamte Museum wurde zudem mit einem begrĂŒnten Dach ĂŒberspannt, das neben ökologischen Vorteilen vor allem Ă€sthetische Reize hat: Die mit Gras bewachsenen pyramidenförmigen DachflĂ€chen dienen als Aussichtspunkt und lassen das Museum mit der umgebenden Landschaft verschmelzen.

Hauptgrund fĂŒr die Neugestaltung des Museums und des umliegenden Parks war die Aufnahme in das Water Safety Program (WSP). In diesem Rahmen wurde unter anderem das angrenzende, 4.500 Hektar große Marschland „Noordwaard“ in eine WasserrĂŒckhalteflĂ€che verwandelt. Um die Bedeutung des Wassers im Biesbosch National Park zu verdeutlichen, entstand außerdem ein Gezeitenpark. Das komplette Landschaftsprogramm soll in diesem Jahr fertiggestellt werden. Dann werden Stege und Wege ĂŒber die grĂŒne Dachlandschaft hinaus die gesamte Museumsinsel erschließen.

Weitere Informationen: biesboschmuseumeiland.nl und marcovermeulen.eu

Bundesweite Strategie GebĂ€udegrĂŒn veröffentlicht

Der Vorstand der Fachvereinigung BauwerksbegrĂŒnung e. V (FBB) mit PrĂ€sident Dr. Gunter Mann, Nicole Pfoser, Bernd W. Krupka, Gerd Vogt und Peter König hat den Startschuss fĂŒr seine ins Leben gerufene „Bundesweite Strategie GebĂ€udegrĂŒn“ gegeben. In einer vierseitigen BroschĂŒre listet die FBB die Notwendigkeit, Zielsetzung und die wichtigsten Maßnahmen der auf mindestens zwei Jahre ausgelegten Strategie auf.

Sowohl der Untertitel „VerbandsĂŒbergreifende Allianz BauwerksbegrĂŒnung“ und als auch die Bezeichnung „Diskussionspapier 1.0“ wurden bewusst gewĂ€hlt, um zu verdeutlichen, dass es kein Alleingang der FBB bleiben soll. Es sollen möglichst viele VerbĂ€nde, Vereine und Interessensgruppen integriert werden und durch Einbringen von weiteren Ideen wird das Strategiepapier angepasst, erweitert und mit Leben erfĂŒllt.

Handlungsbedarf

Dach- und FassadenbegrĂŒnungen vereinen eine Vielzahl an positiven, so ist es nicht verwunderlich, dass sie in einem Atemzug mit Hochwasser, Hitzewelle, KlimaĂ€nderung, Feinstaub und BiodiversitĂ€t als Vorbeugungs- bzw. Umsetzungsmaßnahmen genannt werden. Dennoch wĂ€chst der GrĂŒndachmarkt beispielsweise nur geringfĂŒgig und liegt seit Jahren bei etwa acht Mio. Quadratmeter Zuwachs pro Jahr. GebĂ€udebegrĂŒnung als stĂ€dtebauliches Instrument ist zwar bekannt, doch lĂ€ngst keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Es werden nur etwa fĂŒnf bis zehn Prozent der neu entstandenen DachflĂ€chen begrĂŒnt. Auch die seit vielen Jahren durchgefĂŒhrten „Förder-Umfragen“ bei StĂ€dten zeigen auf, dass die Anzahl der Festsetzung in B-PlĂ€nen und die Vergabe direkter ZuschĂŒsse nicht gestiegen sind.

Die meisten der vielen positiven Wirkungen begrĂŒnter DĂ€cher sind erforscht, dennoch gibt es WissenslĂŒcken. Der Einsatz von DachbegrĂŒnungen erfolgt noch zu wenig zielorientiert. VerbĂ€nde, StĂ€dte und Firmen fĂŒhren ohne gegenseitiges Wissen und Abstimmung verschiedene Aktionen durch. Das ist nicht zielgerichtet und fĂŒhrt zu unnötiger Doppelarbeit und zu unkoordinierten Einzelaktionen, deren Wirkungen „verpuffen“. Es gibt eine FĂŒlle an Informationen (Publikationen, Veranstaltungen, BroschĂŒren, Filme, u. v. m.), doch keine zentrale Plattform, wo das zusammengefĂŒhrt und kostenfrei bereitgestellt wird.

Aktuell gibt es verschiedene Initiativen, wie z. B. die Charta „Zukunft Stadt und GrĂŒn“, die UN-Dekade Biologische Vielfalt, die „Zukunftsstadt. Strategische Forschungs- und Innovationsagenda“ und seit wenigen Tagen das „GrĂŒnbuch StadtgrĂŒn“ des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Bei allen Aktionen lĂ€sst sich das Thema GebĂ€udebegrĂŒnung optimal integrieren, ist wichtiger Bestandteil und mĂŒsste stĂ€rker und detaillierter behandelt werden.

Ziele der Strategie

  • StĂ€rken des Positiv-Images BauwerksbegrĂŒnung. Bessere Wahrnehmung der Bedeutung des GrĂŒns am und im GebĂ€ude durch Politik und Bevölkerung.
  • Schaffen einer Wissensplattform zur Dach-, Fassaden- und InnenraumbegrĂŒnung.
  • BĂŒndelung von KrĂ€ften. Arbeitsteilige Kooperation mit anderen VerbĂ€nden und Organisationen. Jeder, der sich fĂŒr BauwerksbegrĂŒnung interessiert und einbringen möchte, soll das tun können.
  • Koordination von Forschungsprojekten, Master- und Bachelorarbeiten zwischen den Hochschulen, Unternehmen und Förderstellen. Ebenso Koordination der vielen Seminare, Veranstaltungen, Aktionen.
  • VergrĂ¶ĂŸerung des Marktes der GebĂ€udebegrĂŒnung. Mehr Festschreibungen in BebauungsplĂ€nen, mehr direkte und indirekte Förderungen durch Bund, LĂ€nder und Gemeinden. Dach-, Fassaden- und InnenraumbegrĂŒnung als eine Art SelbstverstĂ€ndlichkeit.

Zielgruppen und Strategiepartner

Die im Fokus stehenden Zielgruppen sind ebenso geeignete Kooperationspartner, um die Ziele zu erreichen. Dazu gehören u. a. Politiker, LÀnder, StÀdte und Kommunen, Hochbau-, Landschafts- und Innenarchitekten, Stadtplaner, Berufs- und FachverbÀnde, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Journalisten, Verlage, Hochschulen und weitere Forschungseinrichtungen.

Hier die „Bundesweite Strategie GebĂ€udegrĂŒn“ als pdf-Datei.