Helix Pflanzensysteme: Grüne Hülle für Bielefelder Gastronomie-Neubau

Norbert Müller merkt man seinen Stolz an, wenn er über den neuen Gastronomie-Pavillon auf dem Kesselbrink – einem zentralen Platz in der Innenstadt der Ostwestfalen-Metropole – spricht. „Architektonisch einmalig“, schwärmt der Geschäftsführer der BGW (Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft). „Er ist von unseren 600 Häusern derzeit mein Lieblingsobjekt.“ Rund 2,4 Mio. Euro hat die BGW in diesen Bau investiert. Das Besondere, was bei dem Kubus sofort ins Auge sticht, ist seine grüne Außenfassade. 12.000 Efeu-Pflanzen wurden dafür in speziellen Kübeln auf einem Stahlskelett am Gebäude befestigt.

Entworfen hat den Neubau der Bielefelder Architekt Sven Detering. „Die Idee mit der grünen Fassade kam von der BGW. Ich hätte wahrscheinlich gar nicht gewagt, einem Bauherren so etwas Außergewöhnliches vorzuschlagen“, erinnert sich Detering. Gemeinsam hat man sich Fassadenbegrünungs-systeme verschiedener Hersteller angesehen. Die Wahl fiel auf das System „Elata“ des schwäbischen Unternehmens Helix Pflanzensysteme. Dieses wurde modifiziert und an das Bielefelder Projekt angepasst. „Wir wollten bei diesem Gebäude auf keinen Fall Risiken eingehen und haben uns deshalb für den Anbieter mit der meisten Erfahrung auf dem Gebiet der nichtbodengebundenen Gebäudebegrünung entschieden“, so der Architekt. Da der grüne Gesamteindruck des Gebäudes auch in den Wintermonaten bestehen bleiben soll, gab es bei der Pflanzenauswahl zu Efeu keine Alternative.

Der eigentliche Gebäudekörper des Neubaus ist mit einer vorgehängten Stahlkonstruktion umgeben, an der die Pflanzenträger befestigt sind. Die fensterlose Westseite, auf der sich die Funktionsbereiche des Gastronomiebetriebes befinden, wurde komplett begrünt. An den anderen Seiten schieben sich drei Elemente aus der Efeufassade heraus: Der Windfang am Haupteingang, ein Glaskubus an der Nordseite und der große Balkon, der das Gebäude in Richtung des Platzes öffnet. Auf der Südseite verbirgt das natürliche Grün eine Fluchttreppe, die sich außerhalb befindet.

In vier Reihen übereinander haben ca. 240 Meter Pflanzkästen ihren Platz rund um das Haus gefunden. Es sind speziell gedämmte Anfertigungen, so dass der Efeu im Winter nicht erfrieren kann. Die vorgezogenen Kletterpflanzen wachsen in einem Granulat und stützen sich auf ein stabiles Metallgitter. Sie bildeten schon nach kürzester Zeit eine üppig grüne Pflanzenwand. Für eine optimale Versorgung sind beim Helix Fassadenbegrünungssystem „Elata“ alle Pflanzgefäße an eine computergesteuerte, vollautomatische Bewässerungs- und Düngeanlage angeschlossen. Sensoren an den verschiedenen Seiten des Hauses bestimmen, wann welche Pflanzen gewässert werden müssen. Laubengänge zwischen Begrünung und Gebäude ermöglichen Wartungsarbeiten sowie die Pflege und das regelmäßige Schneiden der Kletterpflanzen.

An der TU Dresden wurde bereits eine Studie zu dem neuen BGW-Gebäude in der Bielefelder Innenstadt erstellt. Es wurde berechnet, dass die eingebrachten Efeupflanzen insgesamt eine Blattoberfläche von ca. 4.500 Quadratmetern aufweisen.

Die grüne Fassade soll so jährlich 760 Kilogramm Sauerstoff freisetzen und 1.070 Kilogramm CO2 absorbieren. „Im Sommer hat das Begrünungssystem außerdem eine beschattende und kühlende Wirkung für den Pavillon. In Zeiten des Klimawandels ist das – gerade bei Häusern mit vielen Fensterflächen – ein wichtiges Thema“, erklärt Detering. „Darüber hinaus kann durch solche zusätzlichen Grünflächen die Artenvielfalt in einer Stadt aktiv und quantifizierbar gefördert werden. Schon jetzt kann man viele Vögel auf Nahrungssuche zwischen den Efeupflanzen beobachten und wahrscheinlich werden im nächsten Jahr die ersten hier auch nisten.“ Aber obwohl die grüne Hülle viele positive Auswirkungen auf das Haus und die direkte Umgebung hat, unterstreicht der Architekt, dass es sich dabei in erster Linie um ein Gestaltungselement handele, welches zur optischen Aufwertung des Gebäudes und des Platzes beitrüge. Und hört man sich einmal in Bielefeld um, wurde dieses Ziel auf jeden Fall erreicht. Am 19. September 2014 eröffnete die Café Bar „Agora“ auf dem Kesselbrink 2. In dem begrünten Haus ist jetzt von morgens um 9 Uhr bis Mitternacht immer etwas los.

Weitere Informationen: helix-pflanzensysteme.de

Ludwigsburg: Grünes Zimmer eingeweiht

Das so genannte Grüne Zimmer auf dem Rathaushof in Ludwigsburg wurde am 30. April 2014 offiziell eingeweiht. Die Wände dieses Zimmers bestehen aus gestapelten, mit Substrat gefüllten Gitterkörben, in denen rund 7.000 Pflanzen wachsen. Platanen werden das Dach des Grünen Zimmers bilden. So entsteht mitten in der Stadt eine grüne Insel, die an heißen Tagen für Schatten und Abkühlung sorgt.

Der Entwurf der Architekten ludwig.schönle aus Stuttgart erzeugt durch die Anordnung und Geometrie der Wände und Baumdächer sowohl sonnige als auch schattige Bereiche. Das Mobiliar des Grünen Zimmers muss gar nicht extra angeschafft werden: Die „mobilen“ Bänke und Stühle, die sich auf dem Rathaushof in Ludwigsburg großer Beliebtheit erfreuen, können auch ins Grüne Zimmer gestellt werden. Eine Bewässerungsanlage, die sich aus Regenwasser speist, sorgt dafür, dass das Grüne Zimmer nachhaltig betrieben werden kann.

Das Grüne Zimmer in Ludwigsburg ist Bestandteil des EU-Forschungsprojekts „TURAS – nachhaltige Städte und Regionen“. Dabei geht es um die Frage, wie Städte und Regionen mit Blick auf den Klimawandel zukunftsfähig gemacht werden können. Insbesondere in dicht bebauten Innenstädten und auf stark versiegelten Flächen ermöglicht der Einsatz vertikaler Begrünungselemente, wie zum Beispiel Baumwänden, Fassadenbegrünung oder Dachbegrünung, eine Maximierung der Grünfläche. In Ludwigsburg sind mit dem Grünen Zimmer 140 Quadratmetern Vegetationsfläche entstanden.

Weitere Informationen: helix-pflanzen.de und turas-cities.org

 

Der Garten an der Wand

Grün wird zunehmend als richtiges Gestaltungselement eingesetzt – auch in Büros, in denen meist Platzmangel herrscht, kommen solche Lösungen für die Begrünung gut an. „Volumenmäßig ist das Segment Grüne Wände im Bereich Innenraumbegrünung eher noch unbedeutend, künftig wird sich hier sicherlich mehr tun. Und auch Architekten und Raumplaner finden die Idee der vertikalen Wandbegrünung zunehmend interessant”, wird Lutz-Peter Kremkau, Vorstandsmitglied im Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur, zitiert.

Der TASPO Gartenmarkt bietet in seiner aktuellen Ausgabe 27/2012 einen Überblick über neun verschiedene Systeme der grünen Wände: Das Bin Fen Wall System, Sempergreen Vertical, art aqua: Die Grüne Wand, Wallflower, Verticalis von Hydroplant, den Fassadengarten von Optigrün, die Plantwall von Green Fortune, das Baukastensystem von Vertiss sowie Plant Ed Wall.

Mehr im TASPO Gartenmarkt 27/2012.

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