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Trotz bester Argumente: Der Herbst ist als Pflanzzeit leider längst nicht mehr die Nr. 1

Pflanzzeit Herbst – Foto: BdB

An den ersten warmen Frühlingstagen drängeln sich unzählige Kunden durch die Gartencenter, Gärtnereien und Baumärkte. Ab jetzt haben die Gartenpflanzen und alles, was man dazu braucht, sie in die Erde zu bringen, Saison. Warum ist das so? Denn eigentlich ist doch der Herbst in unseren Breitengraden die bessere Pflanzzeit.

Seitdem die meisten Gartenpflanzen in Töpfen gezogen und angeboten werden, können sie zu jeder Zeit des Jahres gepflanzt werden. Probleme mit dem Anwachsen gibt es kaum. Dennoch hat der Herbst als klassische Pflanzzeit immer noch viele Vorteile. Der Pflege- und Versorgungsaufwand für einen dann frisch gepflanzten Strauch ist beispielsweise wesentlich geringer als bei einem im Sommer gesetzten, denn es muss in der Anfangsphase einfach deutlich weniger gewässert werden. Außerdem haben die Pflanzen, die im Herbst in die Erde kommen, einen Wachstumsvorsprung. Der Grund: Die feinen Wurzelhaare, die für die Wasser- und Nährstoffaufnahme wichtig sind, wachsen in den Wintermonaten – solange kein Frost im Boden ist – weiter und verankern die Pflanze am neuen Standort. Die Stauden und Gehölze sind also im Frühling schon fest eingewurzelt und können den ersten Austrieb leicht versorgen.

Herbstlaub – Foto: BdB

Trotz dieser Vorteile und obwohl das Sortiment im Herbst durchaus attraktiv und vielfältig ist, ist diese Jahreszeit für den Handel heute leider keine „zweite Saison“ mehr und absolut nicht mit dem Geschäft im Frühjahr zu vergleichen. Die Kundenfrequenz und damit letztlich auch der Umsatz sind häufig unbefriedigend. Das mag daran liegen, dass Gartenbesitzer im Frühjahr motivierter sind und dass es sie nach dem langen Winter endlich wieder ins Freie zieht. Es kann aber auch sein, dass viele Menschen heute einfach eher mit Pflanzen „dekorieren“, als sich tatsächlich gärtnerisch zu betätigen: Dabei muss alles möglichst schnell gehen und die Gewächse sollen schon zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihren Platz finden, perfekt aussehen. Das heißt, es werden beispielsweise Obstgehölze erworben, die schon Früchte tragen, Stauden in voller Blütenpracht in den Garten gebracht und selbst Zwiebelblumen wie Narzissen vorgezogen im Topf gekauft und eingepflanzt. Ein Grund dafür, dass der Herbst seine Bedeutung als Pflanzzeit verloren hat, mag aber auch sein, dass viele Gartenbesitzer heute nicht mehr um die natürlichen Abläufe im Grünen wissen.

Gartencenter – Foto: BdB

Um den Herbst als Gartensaison wieder attraktiver zu machen, ruft eine Initiative des Bayerischen Gärtnerei-Verbands seit 2008 jährlich eine Aktionswoche unter dem Titel „Herbstlich willkommen“ aus. 120 Gärtnereien aus Bayern und 60 weitere aus anderen Bundesländern nahmen daran in diesem Jahr teil. Von dem Verband wurden Werbemittel zur Herbst-Saisonstart-Aktion – beispielsweise Plakate und Folder – bereitgestellt, um bei den Kunden Verkaufsimpulse zu setzen. Aber reichen solche Einzelaktionen aus, um den Herbst langfristig wieder als Gartenzeit in den Köpfen der Menschen zu verankern? Oder braucht es da mehr? Vielleicht eine umfangreiche Kampagne, bei der verschiedene Interessenvertreter der Grünen Branche „an einem Strang ziehen“? Ein gutes Vorbild könnte beispielsweise die Grill- und BBQ-Branche sein. Hier hat man es in wenigen Jahren geschafft, das Wintergrillen zu einem angesagten Thema zu machen und damit auch die Verkaufssaison deutlich zu verlängern. Und mal ganz ehrlich: Für die Pflanzzeit Herbst gibt es doch viel mehr und auch bessere Argumente als für das Grillen im Winter.

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