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TURAS: Der weite Weg eines Mobilen Grünen Zimmers

Es war einmal … ein Regionalverband, ein Gärtner, ein EU-Forschungsprojekt, ein Architekt und eine Stadt: Im interdisziplinären Austausch entstand vor etwas mehr als zwei Jahren mit Geld, Mut und einer großen Vision aus rund 7.000 Pflanzen und insgesamt 30 Pflanzenarten mitten in Ludwigsburg eine grüne Insel mit einem Platanendach über schattigen Sitzplätzen.



Damals, Ende April 2014, wurde das Grüne Zimmer Ludwigsburg als das Projekt des Verbands Region Stuttgart, des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität Stuttgart, dem Pflanzenproduzenten Helix aus Kornwestheim und der Stadt Ludwigsburg als Bestandteil des EU-Forschungsprojektes TURAS feierlich eingeweiht. Das Ziel von TURAS, eine Lösung zu finden, wie Städte und Regionen mit Blick auf den Klimawandel zukunftsfähig gemacht werden können. Die Herausforderung: eine maximale Grünfläche auf engstem Raum zu schaffen, die Schatten spendet, Feinstaub filtert, Verdunstungskälte abgibt und den Menschen mitten in der Urbanität einen grünen Wohlfühlraum bietet.

Das Projekt war nicht unumstritten, aber die Begleitforschung der Universität, die die mikroklimatische Wirkung, die Aufenthaltsqualität für die Bürger und die Vegetationsentwicklung der Pflanzen des Grünen Zimmers untersuchte, gab allen am Unternehmen Beteiligten Recht. In der Zwischenzeit wurde auch die Nachhaltigkeit längst unter Beweis gestellt. Zweieinhalb Jahre nach der Einweihung steht das Grüne Zimmer eingewachsen und gut gepflegt als nicht wegzudenkender Bestandteil des Rathaushofes in Ludwigsburg. Das Projekt machte allerdings auch Schule. In Vorträgen, mit Bildern und Filmen wurde das innovative Ludwigsburger Konzept des öffentlichen Raums als best practice Beispiel in andere europäische Länder getragen und als Vorzeigeprojekt für eine geglückte, nachhaltige Investition in eine grüne Infrastruktur gefeiert.

Das motivierte sowohl den federführenden Architekten Dr. Ferdinand Ludwig wie Hans Müller von Helix, die europäische Initiative TURAS mit einer weiteren grünen Idee zu überraschen: Das Grüne Zimmer sollte mobil werden und als Green Living Room einen Sommer lang mit dem Thema Resilienz durch Europa touren. Dabei sollte es einerseits um die Bewertung der Leistungen als Erholungsraum, aber auch als Staubfilter, Schattenspender, Lärmreduzierer, Wasserspeicher, Biodiversitätsstifter und als Klimaregulierer im urbanen Raum gehen. „Kommunalpolitiker und die Bürger in sieben europäischen Ländern sollten die Wirkung Grüner Infrastruktur persönlich erfahren können“, so Müller über das Ziel. Das Prinzip des Grünen Zimmers, bei dem Metallkörbe mit einem halben Quadratmeter Grundfläche und einer Tiefe von 45 Zentimetern wie Bausteine aufeinander geschichtet werden, wurde auf eine mobile Version übertragen, die mit einem Tieflader sicher transportabel gemacht wurde.

Drei Monate und 6.500 Kilometer später, mit Stationen in Bonn, Frankfurt, London, Brüssel, Antwerpen, Zagreb, Ljubljana und Krems, steht das Mobile Grüne Zimmer jetzt wohlbehalten in der Gärtnerei in der Winterruhe, erholt sich und wird für die nächsten Einsätze im kommenden Jahr gepflegt. Die Resonanz auf das Green Living Room auf Rädern war international unglaublich. Die Bevölkerung reagierte überall sehr begeistert, das Mobile Living Room erfuhr im wahrsten Sinne des Wortes eine breite positive internationale Medienresonanz für die grüne Infrastruktur. Verschiedene Städte haben Angebote für Mobile Grüne Zimmer angefragt. Manche Kommunen wollen das Mobile Grüne Zimmer kaufen, andere wollen es wochenweise mieten.

Weitere Informationen: turas-cities.org

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